Das alte Haus in Laubegast – wo Melli Beese ihre Kindheit verbrachte

kerstin-schuster Kulturdenkmale, Kunstausstellung, Laubegast

Das alte Haus in Laubegast, in dem die erste deutsche Motorfliegerin ihre Kindheit verbrachte, stand ewig verborgen hinter dichtem Buschwerk, umgeben von Obstbäumen, Laub- und Nadelbäumen. Das verschlossene Tor duldete keinen Zutritt. „Gaffer“ mussten draußen bleiben. Damit ist nun Schluss, jedenfalls zum Teil!

Das Tor ist offen – hereinspaziert!

Kaum hatte ich das Tor passiert, den parkähnliche Garten, in dem einige Bäume abgeholzt worden sind, betreten, umfing mich friedliche Stille. Es schien, als wäre die Österreicher Straße kilometerweit entfernt. Ich vernahm den Verkehrslärm kaum, hörte dafür Vögel zwitschern. Ich sah Schmetterlinge umherflattern, ein kleines Mädchen mit braunen Kulleraugen und braunen Haar lief hinterher, um sie zu haschen. Ihr glockenhelles Lachen erfüllte den Hof. Nein, ich hatte keine Halluzinationen. Es war natürlich nicht die kleine Amelie Hedwig Beese (genannt Melli), sondern die Tochter meiner Freundin.

Ob Melli Beese als Kind hier ebenso übermütig umher gerannt ist? Vielleicht pflückte sie Äpfel vom Baum, naschte Beeren vom Strauch, lag mit im Nacken verschränkten Armen auf der Wiese und zählte die weißen Wolken am Himmel, den sie eines Tages erobern sollte. Ich könnte es mir gut vorstellen.

Auf dem Weg zum ehemaligen Wohnhaus der Laubegaster Berühmtheit, atmete ich die herrliche Waldluft ein. Ja, es roch tatsächlich wie im Wald. Links und rechts entlang des Weges fielen mir viele Dinge ins Auge, die ich unbedingt näher betrachten und vor allem fotografisch festhalten wollte, wie die rostige Wasserpumpe. Allerdings benötigte ich dafür das Einverständnis der neuen Hausherrin, da ich die Fotos auch veröffentlichen wollte und mich schließlich auf Privatgelände befand. Dort, wo Melli Beese einst zu Hause war.

Dass das alte Haus in Laubegast nicht länger dem Verfall gewidmet ist, hat es einer gebürtigen Schweizerin zu verdanken, die gemeinsam mit ihrem „Liebsten“ und zwei Freunden das Grundstück an der Österreicher Straße 54 erworben hat. Die neuen Besitzer haben große Pläne. Zum einen soll das marode Gebäude im Laufe der Zeit modernisiert werden, ohne dass es seinen eigentlichen Charme verliert. Es wäre auch verdammt schade.

Uralte Eibe neben dem Elternhaus der ersten deutschen Pilotin

Ob die kleine Melli einst verträumte Blicke aus diesem Fenster warf, bei Regenwetter sehnsüchtig in den Garten blickte?

Zum anderen soll der Raum im Erdgeschoss, der über eine winzige Terrasse erreichbar ist, deren morschen Holzdielen unter den Füßen leicht nachgeben, eine Art Veranstaltungsraum werden. Bereits am „Tag der offenen Tür“ im Zuge der Laubegaster Kunstmeile (ich berichtete bei Dresdenreisetipps davon) erwies sich diese Idee als grandios.

Homage an Melli Beese auf dem Grundstück – Kunst am Elbufer

Hier fanden während jener Tage Lesungen statt, wurden Gemälde (darüber alsbald mehr) ausgestellt, Small Talk gehalten und Gedanken ausgetauscht. Dies soll in Zukunft des Öfteren der Fall sein. Bei Bedarf kann die Räumlichkeit für Familienfeiern oder kleine Events im privaten Rahmen gemietet werden. So der Plan.

Werke des Künstlers Eckhard Kempin

Silvia Tröster, die schon einige Jahre in Laubegast lebt und Chefin der Tröster Tours GbR ist, möchte dem Geburtshaus der Fliegerlegende neues Leben einhauchen. Ich durfte sie bereits kennenlernen und mit ihr ein wenig über die Zukunft des Anwesens plaudern. Verliebt hat sie sich dort sofort, gestand sie mit verschmitztem Lächeln. In das Häuschen ohnehin, noch mehr aber in den herrlichen Garten, dessen uriger Wildwuchs etwas Bändigung benötigt.

Besonders haben es ihr auch die Apfelbäume auf dem Grundstück angetan, deren Früchte zwar klein und fest sind, jedoch nicht weniger schmackhaft. Die Äpfel eignen sich zudem gut, um köstlichen Apfelsaft daraus zu machen.

Silvia Tröster mit den Schätzen aus dem Garten – knackige, kleine Äpfel, eine uralte Sorte.

Für Melli Beese gab es leider kein Happy-End, für ihr Geburtshaus am Stadtrand Dresdens hingegen schon. Jenes ist bei den neuen Besitzern in den besten Händen und wird kein Opfer der Abrissbirne. Wer weiß, ob während der vorgesehenen Renovierungsarbeiten nicht zufällig ein „kleines Schätzchen“ aus längst vergangener Zeit auftaucht. Vielleich ein Tagebuch der jungen Amelie Hedwig Boutard-Beese oder ein anderes interessantes Relikt aus ihrer Vergangenheit. Nichts ist unmöglich!

 

Werbung

Reiseschein.de

Das könnte dir auch gefallen …

Bad Gottleuba-Berggießhübel: Ausflugsziel Bismarckturm mit Panoramaaussicht

Die idyllische Landschaft um Bad Gottleuba bietet tolle Aussichtspunkte mit traumhafter Panoramaaussicht. Der Bismarckturm in Berggießhübel war kürzlich unser Ausflugsziel. […]

Dresden Reisetipps Kunst am Laubegaster Ufer

Kunst am Elbufer Dresden – Willkommen zur Laubegaster Kunstmeile

Es ist soweit, das erste Septemberwochenende in Dresden Laubegast steht im Zeichen der Kunst und ihrer Künstler. Ich bestätige gerne, […]

Schauspiel am Laubegaster Ufer: Marion – ein Theaterkahn auf Abwegen

Nein, dies ist nicht etwa der Titel eines neuen Stücks, welches den Spielplan des legendären Dresdner Theaterkahns ab 17. Mai […]

2 Kommentare

    1. Danke für die netten Worte, liebe Alma. Die Fotos sind zum Teil leider etwas unscharf, aber irgendwie passend. 🙂 Mir gefiel besonders das alte Fenster. Es hatte etwas „mystisches“ an sich. Obwohl, der Garten hat auch was. Die rostige Pumpe muss unbedingt bleiben. Verrostetes ist ja heute wieder „in“ und als Deko sehr beliebt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.