Gräfin Cosel auf Burg Stolpen – die etwas andere Story

Anna Constantia Gräfin von Cosel – gefangen auf der Burg
Stolpen
Von Dresden aus ist es nicht weit bis zur Burg Stolpen, die sich im Landkreis Sächsische Schweiz Osterzgebirge befindet. Die auf Basaltgestein errichtete Burg Stolpen in der gleichnamigen Burgstadt, zählt zu einer der geschichtsträchtigen Burgen des Schlösserlandes Sachsen, war Sie doch das Gefängnis der Gräfin von Cosel, die sich vor allem als Mätresse des Kurfürsten von Sachsen und späteren Königs von Polen – August des Starken – einen Namen gemacht hatte. 
Burg Stolpen
Eben jener war es, der dafür Sorge trug, dass seine jahrelange Mätresse, die ihm  überdies drei reizende Kinder schenkte, auf der Burg Stolpen bis zu ihrem Lebensende verweilen musste. Nicht ganz, um genau zu sein. Anna Constantia – geborene von Brockdorff und geschiedene von Hoym – hätte Ihr Gefängnis auf der Burg Stolpen nach 28 Jahren verbüßter Haftstraße als freie Frau verlassen können.
Sie hingegen entschied sich, zu bleiben und starb im Alter von 85 Jahren auf der Burg, die zeitweise auch Herrschaftssitz zweier Bischöfe aus Meißen war, welche ebenfalls dort verstarben. Aber, ob das so der Wahrheit entspricht? Die wirkliche Geschichte der Cosel wird immer noch „erforscht“. Aus den unterschiedlichsten Quellen ist  herauszulesen, dass nicht ganz sicher ist, ob Gräfin von Cosel freiwillig auf der Burg Stolpen blieb oder doch dem Zwang unterlegen war, dort zu bleiben. Es heißt auch, dass sie während ihrer Gefangenenschaft niemals auf irgendwelche Annehmlichkeiten verzichten musste, ein halbwegs normales Leben geführt haben soll und in den herrschaftlichen Gemächern des Fürstenhauses untergebracht war. Später zog sie aus dem baufälligen, feuchten und stets zugigen Gemäuer aus und siedelte in den Johannisturm über, der deshalb die Bezeichnung „Cosel-Turm“ trägt. 
Gedenkstein Gräfin von Cosel auf dem Burghof Stolpen
Wenngleich Anna Constantia sich auf dem Burggelände frei bewegen konnte, so konnte sie dennoch nicht tun und lassen, was sie wollte. Selbst ihre Briefe wurden streng zensiert und die Wächter hatten stets ein Auge auf die schöne Dame, die binnen kürzester Zeit von der gefeierten Mätresse des Kurfürsten von Sachsen zur Staatsgefangenen auf der
Burg Stolpen wurde. 
Vorbei war die Zeit der rauschenden Feste an der Seite des sächsischen Kurfürsten. Stattdessen langweilte sich die Gräfin auf der Veste Stolpen. Sie legte einen kleinen Garten an, um den sie sich persönlich kümmerte, obwohl sie doch fünf treue Bedienstete hatte. Sie musste einfach etwas tun. Lesen wurde für die Cosel zur liebsten Beschäftigung. 
Die Regale in der Bibliothek füllten sich mehr und mehr, denn die Bücher halfen ihr über die Einsamkeit hinweg. In den letzten drei Jahren vor ihrem Tod war es eine Bibel aus dem Jahre 1711, welche die greise und altersschwache Gräfin täglich mehrmals zur Hand nahm. Diese Bibel gehörte einst dem Amtmann der Stolpener Burg. Insgesamt 21 Mal hat die Cosel in der Bibel ihr Monogramm hinterlassen.   
Die mysteriöse Schwangerschaft gefangenen Gräfin
Daumenabdruck von August des Starken
Um Anna, wie die Gräfin von Cosel von sehr vertrauten Personen liebevoll genannt wurde, ranken sich zahlreiche Mythen. Viele Geheimnisse umgeben die einstige Mätresse des sächsischen Kurfürsten, August dem Starken, dem eine unsagbare Kraft nachgesagt wurde. Von eben dieser zeugt sein Daumenabdruck im eisernen Geländer der Brühlschen Terrasse in Dresden.
Friedrich August der Erste war ein Kraftprotz in jeder Beziehung und er soll überdies ein feuriger Liebhaber gewesen sein. Angeblich hat er über 350 Kinder gezeugt, was jedoch auch nicht eindeutig ist. Bekannt ist auf jeden Fall, dass seine langjährige Mätresse, Gräfin von Cosel, ihm drei Kinder schenkte. 
Anna Constantia soll im Frühjahr 1717 noch ein weiteres Kind zur Welt gebracht haben. Zu jener Zeit war sie bereits einige Monate auf der Burg Stolpen in Gefangenschaft. Wer schwängerte die Gräfin? War das Kind, ein Sohn, das „Produkt“ der Vergewaltigungen, welche die Gräfin nach ihrer Flucht erleiden musste, oder konnte August der Starke tatsächlich nicht von seiner einstigen Lieblingsmätresse die Finger lassen?
Die berühmteste Gefangene der Burg Stolpen, deren wahren Namen niemand wissen durfte, hatte eine Zofe, die sich um ihre persönlichen Belange kümmerte und weiteres Dienstpersonal an ihrer Seite. Nach der Geburt des Sohnes wurden allerdings die treue Zofe der Gräfin und all jene, die von dem Baby wussten, vergiftet. Das Neugeborene, welches der ermatteten Anna Constantia kurz nach der
Entbindung entrissen wurde, von dem sie kein Sterbenswörtchen erzählen durfte, brachte man in den nahegelegenen Wald, in der Hoffnung, dass es dort schnell verstarb. 
Das Schicksal meinte es jedoch gut mit dem Säugling, den die auf der Burg Stolpen gefangene Gräfin von Cosel entbunden hatte. Der kleine Junge, der nackt im dunklen Walde lag, zitternd vor Kälte und hungrig, schrie aus Leibeskräften. Herzog von Chorgal, der eigentlich im Dienste des Königs von Frankreich stand und seiner Cousine im sächsischen Kurfürstentum während einer Europareise einen Besuch abstattete, nahm an jenem Tag an einer Jagd teil.
Chorgal ritt etwas abseits der Jagdgesellschaft durch den Wald. Er vernahm das Schreien und stoppte seinen Ritt, um nachzusehen, was im Dickicht des Waldes verborgen lag. Entsetzt stellte er fest, dass es sich bei seinem Fund um ein Neugeborenes handelte, was nackt und schutzlos in der Wildnis ausgesetzt lag. Schnell packte er das frierende, hungrige kleine Wesen in sein Gewand, schwang sich auf sein Pferd und gab diesem Sporen. Seine Cousine, die noch immer kinderlos war und die Hoffnung schon lange aufgegeben hatte, jemals Mutter zu werden, nahm sich des neugeborenen Jungen liebevoll an. Der wunderschöne Bub erhielt den Namen Moritz Chorgal.
Ob in dieser Geschichte tatsächlich ein Körnchen Wahrheit steckt, ist ungewiss, denn die Webseite, auf der ich einst dies Story von der geheimnisvollen Schwangerschaft der Cosel gelesen hatte, existiert längst nicht mehr. Eines kann ich aber mit Gewissheit sagen, es lohnt sich auf jeden Fall, einmal die legendäre Burg Stolpen zu besuchen. Hauptsache, es gewittert nicht gerade.
Werbung


Kuschelliebe.de